Die Flasche und ihr Inhalt.

„Ich wusste, dass du mal so etwas machen würdest“, meinte meine Flaschenpost- und Bloggerkollegin Ina, als sie von diesem Projekt erfuhr. Mit „so etwas“ war eine Wanderflaschenpost gemeint. Kannte sie mich aus meinen bisherigen Aktivitäten schon so gut oder hatte ich mal irgendetwas davon verlauten lassen? Keine Anhnung.

bugelverschluss
Heutzutage schon selten: Schnappverschluss mit Keramikstopfen

Wie auch immer, die Idee war mir gekommen, als ich bei den Haushaltswaren im Supermarkt eine klare 350 ml Flasche mit Schnappverschuss entdeckte. Weil der Stopfen des Schnappverschlusses aus Keramik war, griff ich sofort zu. Eine goldrichtige Entscheidung, denn schon bei der nächsten Lieferung wenige Tage später waren die Stopfen aus weißem Kunststoff. Und Plastik ist nun mal gegen die Ehre der Flaschenpostlerzunft: anfällig gegen Seewasser, UV-Strahlung oder sonst einen Zahn der Zeit, zerbröselt das Zeug irgendwann und belastet als Microplastik die Umwelt. Außerdem beißt sich das mit meinem nostalgischen Stilempfinden.

Ein Bügelverschluss lässt sich leicht öffnen und verschließen. Die Idee, damit eine Wanderflaschenpost zu gestalten, die vom jeweiligen Finder immer wieder neu auf die Reise geschickt wird, drängt sich geradezu auf. (Übrigens nicht nur mir, wie man hier sieht.)

Da hatte ich nun so ein Stück mit Oldtimer-Deckel, das zunächst mal eine ganze Zeit im Keller herumlag. Aber nun, für unser Main-Rhein-Nordsee-Experiment, kam mir die Buddel gerade recht. Sie musste nur noch passend ausgestattet werden. Irgendwann einmal hatte ich sie schon mit knallig-roten Ralleyestreifen bemalt, denn sie sollte ja auch gesehen werden und kein unscheinbares Böschungsblümchendasein führen. Dazu hatte ich Acrylfarbe genommen, denn die deckt recht gut auf Glas.

flasche-leer
Sollte auffallen: Flasche mit Ralleyestreifen.

Trotzdem war die Idee nicht so pralle. In der Zwischenzeit hatte ich nämlich bei anderer Gelegenheit festgestellt, dass Acrylfarbe abblättert, wenn sie nass wird. Also pinselte ich noch einmal Porzellanmalfarbe darüber. Heimwerkern werden sich die Haare sträuben, – ein Schlussanstrich über einer nachweislich nicht haltbaren Grundierung, das kann nicht gut gehen! Egal, so ist es nun mal gelaufen. Und Flaschenpostler glauben sowieso an Wunder, vielleicht hält es ja doch eine Weile. Für zukünftige Aktionen dieser Art habe ich allerdings eine Mischung aus Acryl- und Porzellanmalfarbe vorbereitet.

Übertrieben groß war die Flasche ja nicht. Dafür war mein Brieftext relativ lang. Zumindest die deutsche Version. Einen DinA 4-Bogen hätte ich erst mehrfach falten und dann rollen müssen, um ihn in die Buddel zu bekommen. Es wäre für einen Finder aber nicht so einfach, den Brief heil aus der Buddel zu holen dann hinterher wieder gut zum Weiterversand zu verpacken. Also formatierte ich den Text zu einer schmalen Spalte, die dann aber über zwei Seiten ging. Die mussten dann passend zurechtgeschnitten und aneinandergeklebt werden. Daraus ergab sich ein neues Problem. So eine lange Schriftrolle passt zwar besser in die Flasche als ein irgendwie gefalteter Briefbogen, sie ist aber trotzdem ziemlich dick, zumal ich recht festes und robustes Papier ausgewählt hatte.

Die Lösung lag in der Antike. Im Altertum hatte man am Anfang und Ende von Pergamentrollen runde Holzstäbe, nabulus oder omphalos genannt, befestigt. Sie erleichterten das enge und gleichmäßige Aufrollen. Dieses Verfahren nahm ich mir zum Vorbild.

In der Küche suchte ich für diesen Zweck nach Schaschlickspießen, – vergeblich. Dann fand ich aber in einem Karton mit Bastelsachen kleine Stäbchen, die man sonst als Stiel für Lollies verwendet. Jeweils einer wurde nun an jedes Ende des Papierstreifens eingeklebt. Das erleichterte auch das Befestigen einer Schnur zum Zusammenbinden der fertigen Schriftolle. Der Bindfaden darf ja weder beim Öffnen verlorengehen noch aus dem Papier ausreißen. Ich hoffte, dass der richtige Umgang für das Weiterversenden der Flaschenpost selbstredend anschaulich wurde. Umständliche Gebrauchsanleitungen wollte ich mir ja sparen.

Auch die Wahl des Fadens erwies sich als heikel. Er sollte auch mit kalten Fingern gut zu öffnen und wieder zu binden sein. Es durfte keine zu rauhe oder zu fusselige Faser sein, die, einmal geknotet, nur mit der Schere zu öffnen wäre. Und zu dünn durfte er auch nicht sein. Was das Ganze letztlich aber wieder sperriger macht. Naturfaser war sowieso Pflicht. Auch hier wurde ich im Bastelkasten fündig.

Zu dem deutschsprachigen Brief kam eine weitere Schriftrolle mit einem Text auf Englisch für Finder in den Niederlanden hinzu, ebenfalls mit einer Erläuterung des Unternehmens, der Einladung mitzumachen und den nötigen Kontaktinformationen. Allerdings fasste ich mich etwas kürzer, because my English is so what of underearthy…

Und dann noch eine Extrarolle mit Platz für Eintragungen der Finder. Ebenfalls mit omphaloi und Bindeband ausgestattet. Damit es nett aussieht, wählte ich für jedes der kleinen Schriftstücke ein anders getöntes Papier.

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Das komplette Inventar. (Natürlich ohne die Steine.)

Zwei Bleistifte (von IKEA, aber schon fertig zusammengebaut) machten das Sortiment komplett. Bleistifte sind lichtecht und wasserfest, austrocknen können sie auch in 1000 Jahren nicht. Für Flaschenposten also ideal.

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Gerollt, gezurrt, beschriftet.
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Passt so gerade noch rein.

Das Verstauen in der Flasche erforderte doch ein bischen Sorgfalt. Besonders die dicke Rolle mit dem deutschen Text war recht sperrig. Ich probierte auch das Herausholen. Es geht ganz gut, wenn man das Ende eines Fadens erwischt und den Brief dann vorsichtig daran herauszupft. Aber für ein nächstes Mal würde ich wohl doch lieber einen dünneren Faden aussuchen, diesen dann aber mit Bienenwachs wachsen, damit der Knoten auch wieder gut auf geht.

Mit dem ganzen Papier und den Bleistiften war die Flasche dann auch gut gefüllt. Sollte ich vielleicht den Gummiring noch mit Vaseline fetten, damit auch wirklich alles dicht ist? Besser nicht, Fett soll Gummi (zumindest Silikon) porös machen. Ich ließ es also lieber bleiben. Andere Flaschenposten mit Schnappverschluss waren ja auch über 100 Jahre dicht geblieben.

Tja, und dann war das gute Stück endlich reisefertig!

reisefertig
Startklare Flaschenpost.
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9 Gedanken zu “Die Flasche und ihr Inhalt.

  1. Pingback: Die Kunst, eine Flaschenpost zu gestalten. | flaschenposten

  2. Flaschenpost hat mich schon immer fasziniert, aber ich habe mich bisher noch nicht als Schreiberin einer solchen gesehen, geschweige denn dass ich wusste, worauf man dabei so alles zu achten hat.

    Jetzt hätte ich doch mal eine Frage, was die Flaschengröße angeht. Welche Größe ist denn optimal? Eine kleine, z.B. mit 350 ml Inhalt? Oder gehen auch ganz große? Ich habe nämlich im Keller noch 3 große Zweiliterflaschen, in denen mal Oktoberfestbier drin war und die nur unnütz in der Gegend herumstehen.

    Lieben Gruß
    U.

    Gefällt 1 Person

    1. Kleine Flaschen, besonders Pfandflaschen z. B. mit 350 oder 500 ml Inhalt sind recht gut, was Schwimmfähigkeit und Robustheit angeht.
      Natürlich gehen auch größere Flaschen. Da bekommt man ordentlich was rein, z. B. Zeitungsseiten oder auch kleine Basteleien. Nur größer als 2 l sollten sie meiner Meinung nach nicht sein, weil sonst die Kollision mit einem Boot schon brenzlig werden könnte.
      Mehr Basteltips => hier.

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